24. November 2015, Dienstag 17:12
54,4 um 6.
Ich  kann nicht... nichts und SO soll ich morgen erneut um 6 aufstehen?
3 oder 5 Tage Kortison?
Was ist, wenn sich die Hand nicht mehr erholt?. Er gibt mir einen Kuss und verlässt das Wohnzimmer mit den Worten:Hier gibt es kein >Was wenn<…“.
Ich kann nicht in den Spiegel sehen, ich kann nicht stehen und nicht gehen. Schwindel wie nach einer Überdosis Antidepressiva. Dem vorausgegangen waren massive Kopfschmerzen und mehrere Stunden Schlaf auf dem Sofa.
Die Ärztin heute hat mir sehr gut gefallen. Aber mir fehlt die Kraft, zu erläutern, warum dem so ist.Vielleicht sollte ich noch 2 Dinge erwähnen: Sie hat verstanden, warum ich im Mai beschlossen hatte, keine bettlägerige Kartoffel werden zu wollen und dass das Tramal, obwohl wie sie eingängig warnte sofort süchtig machen würde, wenn es in Tropfenform verabreicht würde, für mich Lebensqualität bedeutet und mir diese mickrige Abhängigkeit egal sei.
Das Bild vor meinen Augen verschiebt sich über einander und ich werde jetzt nur noch meinen ersten und letzten Tee an diesem Tag trinken und vielleicht noch die Kraft aufbringen, ein X zu verzeichnen…
 
25. November 2015, Mittwoch 15:23
54,5kg um 6.
Der Nervenzusammenbruch begann bereits im Bett. Weil ich nicht schlafen durfte. Längste Zeit hörte ich meinen überhöhten Pulsschlag im linken Ohr-typisch Kortison. Auf das Display starren, Berechnungen anstellen, mich bereits jetzt fürchterlich aufregen. Und es wurde zu warm unter der Decke, unter zusätzlich seiner Decke, ich quälte mich irgendwie unter dieser für mich tonnenschweren Last hervor, das rechte Bein verblieb aber an Ort und Stelle. Während der Rest von mir sofort zu frieren begann, zeigten meine Beine und das Gefühl darin an, dass ich auf gar keinen Fall zurück unter die Decke schlüpfen sollte. Ich blieb liegen, fror, starrte die Uhrzeit an, stellte Berechnungen an und dann meldete sich meine Blase und allem anschein nach ist mein rechtes Bein der Indikator dafür, dass ich aufs Klo gehen sollte. Ein winziger Nervenimpuls im Spann und die Kacke war am Dampfen. Ein Krampf jagte den nächsten. Das Kontrollieren der Uhrzeit nahm perverse Züge an, obwohl ich mir einredete, mich fallen lassen und in die Hände des Alarms um 6 Uhr begeben zu können. Aber keine Chance. Als ich kurz vor 6 nicht an den Wecker herankam und dann beim Ausschalten aus Versehen noch die Radiotaste betätigte und ein ohrenbetäubendes Krachen und Rauschen den soeben noch stillen Raum erfüllte, verlor ich vollends die Nerven. Ich fing an zu weinen, dazwischen keifte ich:Wie zum Teufel soll ich in dieser Verfassung morgen um 6 Uhr aufstehen? Ich kann das nicht mehr! Ich kann das alles nicht mehr!…“, und die ganze Litanei hinterher, das Kortison-Standardprogramm eben. Ich konnte keinen Fuß vor den anderen setzen, die Haarspange auf meinem Rollator fiel mehrmals zu Boden und entlockte mir zusätzliche Flüche und Wuttränen. Der absolute Gipfel war dann erreicht, als ich mich aufs Klo setzen wollte, der Rollator zu schnell nach hinten fuhr und ich stürzte. Zwar auf die Toilette, dort aber regelrecht unnatürlich und mit dem rechten Ellbogen den Grobputz unserer Wand entlang schrabbte.
Die Kopfschmerzen setzen wieder ein und ein weiteres Aspirin einnehmen. DieseskleineDetail habe ich wohl oder übel vergessen. Noch ein Grund, warum ich ab 2 wach war, waren eben diese nicht mehr zu beschreibenden Kopfschmerzen. Der gesamte Kopf, keine Stelle wurde ausgespart. Kortison.
Ich weinte immer wieder in kurzen Attacken. Verzweifelt Pläne schmiedend, was ich morgen mit mir anstellen sollte. Ich war stinksauer, da er uns doch draußen gehört haben musste vor der Tür und trotzdem drückte er auf die Glocke. Jedem, der das Ding betätigt, könnte ich es in den Arsch schieben!!
Das ist doch nicht normal!“… IHR alle, IHR Besserwisser, bekommt von diesem elenden Ding nicht sofort Herzrasen und das Gefühl, an Ort und Stelle grausam verenden zu müssen, weil eine fürchterliche Gefahr hinter euch her ist!!
Im Taxi hatte ich meine Aggressionen wohl immer noch nicht ausreichend in den Griff bekommen. Hatte ich unfreundlich geklungen oder hat er es einfach nicht kapiert?!! Ich sagte ihm, dass ich keine Umstände bereiten möchte, aber dieses frühe Aufstehen müssen in meiner Verfassung ist eine absolut gesundheitliche Katastrophe für mich.. Er darauf, er könne ja seinen Cousin (den Chef) anrufen und fragen, ob dieser nicht noch einen 3. Fahrer akquirieren könnte für morgen. Ich, dass ich lieber die Rettung anrufe und nachfrage, ob ich wieder 60 Euro bezahlen muss oder ist wie gewöhnlich ablaufen würde. Darauf er:Dann musst du aber die 22 Euro bezahlen: Die schenkt dir der Robert nämlich jedes Mal., regelrecht mit Nachdruck.Ja glaubst du, ich weiß das nicht?! Hast Du eine Ahnung, wie oft ich schon mit ihm darüber diskutiert habe, dass er mir gefälligst eine Rechnung schicken soll? Weil mir das unangenehm ist?!. Darauf er für meine überaus angespannten Antennen regelrecht angepisst und beleidigt:Na gut. DU musst es ja wissen. Dann machen wir es eben so, wie DU es willst.. HÄ?! War nicht genau er es, der mir gestern mehrmals mitteilte, mitunter durchaus (wieder) mit Nachdruck, dass er morgen bereits um 6 losfahren müsste und sonst keiner Zeit hätte? Ich also mit ihm mitfahren und dann eine geschlagene Stunde in der geschlossenen Ambulanz im vorderen Wartebereich auf diesen unbequemen Sitzen warten müsste? Weil ich natürlich viel zu früh dran wäre? Ich versuchte mich nochmals zu erklären, dass ich eben niemandem Umstände bescheren wollte. Er kapierte oder wollte es nicht kapieren und sagte erneut, dass er es jetzt verstanden hätte und wir es nach meiner Art machen würden.Also mal ehrlich: Soll das alles an meiner überspannten Nervenlage liegen? Oder wie meine Mutter es nennen würde: HypersensibilitätKOTZ! Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst, dass ich während und nach einer Therapie seelisch äußerst überspannt reagiere. Aber war das im Taxi Einbildung? Ich drehte meinen Kopf zur Seite und sagte nichts mehr. So sehr zu Seite, dass er meine Tränen nicht sehen konnte und wohl kaum bemerkt hat, dass ich meine Brille abnahm und regelmäßig meine Augen rieb. Nach geraumer Zeit reichte er mir ein Hustenbonbon, ich nahm dankend an und fragte erneut nach, berührte sogar seinen Arm und fragte, ob ich ihn doch nicht irgendwie beleidigt hätte. Er ganz cool:Nein, wieso?. Sind Männer in der Tat so simpel gestrickt? Ich sagte erneut zu ihm, wenn er mir das Angebot macht, sich darum zu kümmern, würde ich nicht nein sagen. Kam immer noch nicht so richtig an, erst als wir vor dem Krankenhaus aus dem Auto stiegen. Jetzt ist alles unter Dach und Fach und der andere Fahrer, mit dem ich ohnehin besser klarkomme, kommt morgen erst um 8. Was für eine Erleichterung.
Als ich beim Untersuchungszimmer um die Ecke bog, die Schwester vom Vortag, die bei ihrem raschen Legen eines Venflons gestern noch total enthusiastisch geklungen hatte:GENAU so machen wir das morgen und die nächsten Tage auch!, hatte einen Gesichtssturz, als sie mich sah. Erst fragte ich, ob sie müde sei und darauf sie:Nein, ich überlege nur angestrengt, wie wir das hinkriegen sollen…“.Na gestern klang das aber noch anders…“, versuchte ich es aufmunternd. Darauf entbrannte eine kleine Diskussion darüber, warum ich überhaupt nach Graz fahren würde, wenn die Fahrten doch ohnehin nicht bezahlt würden mit der Rettung, wenn Feldbach oder Oberwart näher wären.Können Sie sich vorstellen, wie es für mich jedes Mal war, in die Klinik zu kommen und von meiner alten  neuen Ärztin, die von meiner Stammklinik in die neue gewechselt war und nun dort die Chefin für MS-Angelegenheiten abgab, wie ein Gefrierschrank jedes Mal von ganz oben herab gesagt zu bekommen ' Na Frau Samer? WAS haben wir denn heute WIEDER für ein Problem?', später fügte ich noch hinzu, dass mein 1. Satz zu Frau Dr. Fuchs gewesen wäre:Ich bin auf der Suche nach einem Neurologen, mit dem ich mich vernünftig auf einer Ebene unterhalten kann.. Außerdem ist hier alles viel einfacher als in den letzten 17 Jahren meiner Odyssee. Ich muss das Cortison nicht holen, nicht umständlich über mehrere Tage verteilt Rezepte dafür einholen, dieses ins Krankenhaus mitbringen. Hier bekomme ich sogar das Rundum-Luxusprogramm! Mit Magenschutz und Kalziumtablette. Hier fängt keiner der Ärzte damit an, dass es nur Psychosomatik sei. Ich werde ernst genommen und die Ärzte sind allesamt toll, die Schwestern sind tollnur mit dem etwas ruppigen und burschikosem (und jenem von der einen zuletzt, die mir nicht abkaufte, dass der Notarzt mir das Schienbein angebohrt hätte für einen Zugang und mich sozusagen als Lügner dastehen ließ) Verhalten der Schwester heute kam ich in meiner Situation, in meiner speziellenSituationnicht klar. Ich wurde auf den Stuhl verpflanzt, die beiden krebsroten Hände auf ein Kissen gelegt und der 1. Stich ging daneben. Darauf meinte sie, noch ganz viele schöne Venen sehen zu können und ich zu ihr, sie solle bitte (jetzt ist das Wort wie schon heute Morgen weg) ihre Ansprüche an sich selbst hinten anstellen und es einfach versuchen. Sie nahm sich die linke Hand, stach zu, in eine ihrer Meinung nach kapitale Vene und dann passierte das Unglück! Meine Hand und mein Arm machten sich selbstständig und zuckten zurück. Sie wurde regelrecht laut und unfreundlich und herrschte mich an, gefälligst (oder unbedingt) still zu halten und nicht wegzuziehen. Sehr witzig. Das war nicht ich, unterlag nicht meiner Kontrolle. Die 300 mg Neurontin morgens sollten sich auch noch anderweitig als Fehler entpuppen. Sie wurde immer lauter, ich kämpfte immer mehr darum, dass sie nicht mir die Schuld gab, und dann war die Vene dahin und sie wurde nicht müde mir mitzuteilen, was für ein großartiger Zugang das geworden wäre, hätte ICH BLOSS NICHT DAGEGEN GEARBEITET. An diesem Punkt war bei mir leider erneut Ende. Mit der rechten Hand wies ich auf meine entblößte Schnittfläche mit mindestens 200 Schnitten:Denken Sie im Ernst, ich hätte ein Problem mit Schmerzen, und hätte jetzt aus purer Wehleidigkeit die Hand aus der Affäre gezogen? Denken Sie tatsächlich, dann könnte ich so was hier anstellen?…“, strich mit den Fingern über die Kratzer, lehnte mich zurück, verlor die Fassung (allein beim Erzählen jetzt ist dem erneut der Fall, weil ich es einfach nicht aushalte, ungerecht behandelt zu werden), legte meine Brille auf den Tisch rechts neben mir und fing zu weinen. Dafür entschuldigte ich mich natürlich wieder einmal und frage mich auch noch jetzt, ob sie so eine Situation zum Nachdenken anregt, ob das vielleicht auch ein bisschen was mit ihrer Art zu tun haben könnte. NATÜRLICHsobald ich mich wieder erklären konnte, gab ich dem Kortison die Schuld, sagte dazu noch, dass unter diesen Umständen sich meine Witze reißende Fassade nicht aufrechterhalten ließe, dass ich mich deswegen schuldig fühlen würde, ihnen das hier immer wieder antun zu müssen und ich am besten abgekratzt wäre, um NIEMANDEN mehr belasten zu müssen. Daraufhin verzog sich die Härte aus ihrem Gesicht und wurde ersetzt durch Ernst:Wird das behandelt? Sind Sie in Behandlung deswegen?. Schon hatte ich meinen Wortwitz zurück (KOTZ):Man wird nicht glauben, WIE praktisch so ein Suizidversuch ist! Aktuell habe ich viermal im Monat meine Psychotherapie auf meinem Sofa zuhause.. Und sie darauf:Und? Hilft es auch?. Ja? Weiß es nicht, aber hätte ich etwas anderes gesagt, hätte ich mich erst recht in Teufelsküche gebracht. Ich meinte einfach nur, sie solle doch weiter oben nach einem Zugang suchen, zumal die Hände bereits wieder schneeweiß und eiskalt geworden waren. Als sie in meine Armbeuge stach, alles hart, verhärtet, die Jahre und die 100.000 Versuche haben ihre Spuren hinterlassen, doch sie wurde fündig und ich beglückwünschte sie. Der Zugang gestern in dieser Babyvene hatte ohnehin nur fürchterliche Schmerzen verursacht.
(Jetzt beim Korrigieren fällt mir nun ein, dass es auch sie beim letzten Mal war, die mich zum Weinen gebracht hatte-bei der vorletzten Kortisontherapie? Nur Ärger bescherten Blutabnahme?)
Ich kramte soeben in meiner Tasche nach einem Verband, die Schwester verstand es erst nicht:Ich präsentiere meine Störung nicht so gerne öffentlich…“, und sie griff daraufhin bereits zu ihrer Verbandsrolle:Nein danke, ich habe alles in meinem fahrenden Tante-Emma-Laden., worüber sie wieder schmunzelte und genau in diesem Moment kam die junge Ärztin vom Vortag hereingeschneit. Hat sie es gesehen? Spielt es für mich eine Rolle?Wie geht es Ihnen heute?.Katastrophal…“, und weil es so ein Gespräch zwischen Tür und Angel war, kam das Kortison voll zu tragen und ich überschlug mich beinahe in meinem Wortschwall, dass ich seit 2 Uhr wach sei, ständig die Uhr kontrollierend, wann das Taxi kommt, dass ich gestern nach der Heimkehr zusammengebrochen wäre und mal 4 h geschlafen hätte und ich jetzt total depressiv sein würde…“, Blabla Blabla Blabla!! Wofür ich mich wieder unendlich hasse. Darauf fragte sie mich, ob ich etwas zur Beruhigung haben möchte, etwas, das angstlösend wirkt und einen besser schlafen lässt und ob ich es nicht längst in der Psychiatrie erhalten hätte.Da habe ich gar nichts bekommen, durfte nur meinen Medikamentencocktail abbauen und nach 3 Tagen wurde ich rausgeworfen…“. Darauf sie regelrecht entsetzt:Wie bitte?. Ich konnte mich ja nicht näher erläutern, erklären, wollte doch gerade noch hinzufügen, dass ich nachhause wollte, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt sehr wohl noch nicht dazu in der Lage gewesen wäre und sehr wohl erstaunt/entsetzt bin, wie einfach das ging und dass ich keine zusätzlichen Arzneien benötigte-davon hatte ich ausreichend intus, die mich nach sekundenlangen Wachphasen sofort wieder ins Delirium befördert hätten, da die Tabletten, die ich eingenommen habe, eine große Menge Benzos enthielten. Aber dazu kam ich nicht mehr. Eine Schwester wollte etwas von ihr wissen, dass ohnehin kurz angebundene Gespräch unterbrochen, sie fragte noch kurz eine andere Schwester, ob sie diese Tabletten da hätten und dass sie mir eine geben sollten. Hätte ich es gewollt, hätte ich mich sicherlich nach der Therapie noch einmal mit ihr unterhalten können und sie fragen, wie das mit dem Hochzustand nach der Tramaleinnahme funktionieren sollte. High hin oder her-aber wo zaubert es unter Lähmungen verschüttete Fähigkeiten zum Vorschein? Also doch wieder die Psyche? Nichts als die elende Psyche?
Aber ich fragte nach Abschluss der Infusion nicht mehr danach, wollte nur noch nachhause. Ich durfte mich wieder hinlegen, eine junge Schwester half mir dabei und als sie die Infusion anhängen wollte, fragte sie, ob sie den Strumpf entfernen sollte und bis ich überhaupt darauf reagieren konnte, krempelte sie diesen bereits ein Stückchen hinunter und ich:Das da drunter ist nicht so gesellschaftsfähig., und schon zog sie den Verband erneut hoch und meinte:Hab ich schon gesehen!. Bekommen sie wohl nicht so häufig zu Gesicht. Ich lag nicht lange ruhig und still. Als sei mein Arm von diesem Piekser so dermaßen angepisst (wie es auch bei den Beinen immer der Fall ist, dass eine winzige Berührung ausreicht, um stundenlange, qualvolle Krämpfe auszulösen), dass der Arm krampfte.
Vielleicht sollte ich erwähnen das es mittlerweile 16:59 geworden ist und noch während ich das diktieren möchte, springt die Uhr auf 17 um. Die zuvor lebensrettende Tablette, die ich eingenommen habe, jagt mich fleißig auf die Toilette. Auf dass ich auch dieses Mal glimpflich an der Stoßtherapie vorbeikomme. Darauf komme ich noch zurück, wenn mein innerer Monolog, den ohnehin kein Schwein interessiert, irgendwann mal ein Ende findet.
Erst krampfte der Arm und ich drehte den Kopf zur Wand, damit mich keiner weinen sah. Ich konnte mir nur die schlimmsten Szenarien ausmalen und auf Platz 1 mir vorzustellen, es wäre sein letztes gemeinsames Weihnachten mit mir.
Diese Fantasie bekam Feuer serviert. Jetzt fing auch noch das rechte Bein an zu krampfenmehr und mehr mit jedem Mal schmerzhafter und perverser. Es erdulden, mindestens 10 Minuten, dann sah zufällig eine Schwester um die Ecke und ich fragte sie, ob es nicht all zu viele Umstände machen würde, mich kurz abzuhängen. Hatte sie mich doch zuvor erst dick in Decken gewickelt, weil ich zitterte. Alles auf Anfang und ich schlurfte mit starkem Schwindel in Richtung Behindertenklo. Die Patienten, die daneben saßen und warteten, halfen mir anschließend die Tür wieder zu schließen und ich entschied mich, sitzen zu bleibenich und Sitzen! Was tat mir weh? Mehr weh? Der Hintern, der so tat, als gäbe es da kein Fitzelchen Fett mehr oder der Rücken? Stand auf, sperrte den Rollator ein und setzte mich darauf. Und es krampfte und krampfte und krampfte ohne Unterlass. Bei jedem Dolchstoß sackte mein ganzer Körper in sich zusammen...
An genau diesem Punkt der nächste Nervenzusammenbruch, und die Maus fliegt, die Tastatur kracht auf den Tisch, ebenso wie meine rechte Faust, weil dieses Beschisseneprogramm dreimal hintereinander anstattsagte“… Da macht er es schon wieder!! Verdammt, aus diesen beiden Worten ist doch ein erheblicher Unterschied auszumachen!! Er machte ausAnführungsstrichen leichter als]8iujh...
Der nächste Schlag erfolgt erst auf die Tastatur und dann auf meine eigene StirnEindeutig, Zeit für meine mich abhängig gemachte Drogesonst breche ich hier noch in Tränen aus.
17:38
Meinen Zorn am Staubsauger ausgelassen, den ich nicht einmal dessen mächtig durchs ganze Zimmer gejagt habe und nun setzt die Wirkung ein.
Vielleicht kann ich jetzt mit einbisschen mehr Contenancean meinen Gedanken von zuvor anschließen: Wie ich soeben entdecken darf, sind da noch mehr Fehler meinem kleinen Programm unterlaufen. Man muss es fast als einen lieb reizenden Klassiker bezeichnen (an diesem Punkt verliere ich erneut die Fassung und was man gerade nicht hören kann, ist das Gift in jedem einzelnen meiner Worte), dass er dann Adjektive mit Hauptwörtern eine abartige Liaison eingehen lässt, so passiert beibeschissene Programm“… ich lach mich tot, JETZT schreibt er es richtig und ja man liest auch richtig, dass ich ihn dem männlichen Geschlecht zuschreiben möchte. Und zuvor machte er aussackte(natürlich hatte er erneut das falsche Wort geschrieben und ich musste es erst korrigieren) das leidige Wortsackte“… BIST DU VON ALLEN GUTEN GEISTERN VERLASSEN, DU ARSCHLOCH!!! Ich gebe es auf. Dann eben andersrum
Jeder Krampf ließ mich zusammen SACKEN und mein Gesicht erhielt eine schmerzverzerrte Mimik. Nach weiteren 10 Minuten fiel mir ein, dass das wenigstens etwas wäre, was man fürs neue Video zum Thema Krankenhaus festhalten könnte. Ich stand auf und wie schon zuvor hörte der Tropf auf das zu tun, was er tun sollte. Erschrak mich nicht sonderlich, das hatte er zuvor beim Wechsel von Stuhl zu Rollator bereits getan und danach anstandslos die Arbeit erneut aufgenommen. Also ich stand auf und wühlte in meiner Rollatortasche, wie sich herausstellte viel zu lange, schon stand die Schwester von der Aktion eine Stunde zuvor hinter mir, wieder mit diesem strengen Ton:Sie müssen sich hinsetzen! Setzen Sie sich in! So tropft es doch nicht! Sie müssen sich hinsetzen!!!. Ich drehte mich nicht einmal zu ihr um, am liebsten hätte ich ihr eine geklebt. Wie lange macht sie ihren Job schon? Wie lange habe ich diese beschissene Krankheit schon?! Ich weiß es selber gut genug, DANKE sehr! Ich wühlte weiter und weiß nicht, ob sie noch gesehen hat, dass ich wieder Platz genommen habe.
Da fällt mir noch ein Detail vom Gang zur Toilette ein. Ich kapiere es immer noch nicht: WARUM sind Spiegel in Krankenhäusern immer so dermaßen gnadenlos?! Jede einzelne, verschissene Hautunreinheit konnte ich begutachten, das gesamte Gesicht wirkte wie eine Mondlandschaft, aber nicht wie das klassische, puppenhafte Kortisongesicht und das Beste kommt zum Schluss! Zwischen rechter Augenbraue und rechtem Auge eine riesengroße Schuppeoh mein Gott! Hatte es morgens in meinem Stress nicht einmal geschafft, einen einzigen Blick in den Spiegel zu werfen und mir nicht einmal das Gesicht gewaschen, um die Hände nicht auch noch mit kaltem Wasser untauglicher für Aktionen im Krankenhaus zu machen. Ich vermag kaum zu beschreiben, wie sehr ich mich für mich selbst nach Verlassen der Toilette geschämt habe. Was für ein Monstrum. Und davor hatte mir die junge Ärztin, nachdem sie mich kurz gesucht hatte und dann erleichtert meine Wenigkeit auf der Liege entdeckt und so, als würde sie mit einem kleinen Mädchen sprechen, noch gesagt hatte:Achda ist sie ja…“, ein Rezept für eben diese Beruhigungstabletten auf den Bauch gelegt.
Ergibt dieser Schachtelsatz überhaupt einen Sinn? Übersteigt soeben meinen Horizont. Und als ich mir mit der flachen Hand gerade auf die Stirn haue, kann ich darunter nur schuppigige Haut fühlen.
Mir meine Tabletten hinlegen und schlucken. Heute Nacht werden es definitiv 100 mg Pregabalin.
Wo war ich? Ach ja, das Filmen meiner sich selbstständig machenden Extremität. Ist das ein Witz? Jetzt tat sie nichts mehr, keinen einzigen Ruck. Außer zu brennen. Ich fühlte mich verarscht. Nachts erweckte sie mir gar den Eindruck, als würde sie mir Folgendes mitteilen:Du nimmst die Tabletten ja nur für das linke Bein, für mich nicht!. Und wie ich es gesagt hatte: Kaum saß ich, lief die Infusion so dermaßen schnell, dass ich sie eigentlich runter regulieren hätte müssen. Aber ich hatte keinen Bock mehr und binnen weniger Minuten war die Infusion Geschichte und ich stoppte den Regler. Helmuth war ohnehin mehrmals durch den Aufenthaltsbereich marschiert, hatte sondiert, obwohl ich ihm gesagt hatte, es würde noch 1,5 h dauern! Nein, er kam nach 20 min, nach 30 min und so weiter und so fort. Dass einen das ein wenig unter Zugzwang bringt, auf den Gedanken kommt er wohl nicht.
Im Taxi bot er mir erneut ein Ricola an, half mir, mein mitgebrachtes Kissen zwischen Kopflehne und Kopf zu quetschen (und es soll auf gar keinen Fall der falsche Eindruck entstehen, dass ich ihm für all das nicht dankbar sein würde) und dann bin ich weggetreten. Die Anstalt gehend vermochte ich ohnehin nicht mehr zu verlassen. Er musste einen Rollstuhl holen und mich hinausfahren. Irgendwann stubste er mich an:Bianca?, und ich riss orientierungslos die Augen auf, erkannte erst nicht, dass wir in unserer Einfahrt standen.Ich verschreibe Ihnen nur so viele Tabletten, dass sie für 3 Tage reichen. Sie machen gleichgültig, dämpfen und sofort abhängig.. Ich mag Rauschzustände, aber grundsätzlich nicht, wenn sie mir die Kontrolle raubeninsofern weniger Gefahr. Soll mir nur über die starke Unruhe durch das Solumedrol hinweghelfen und mich schlafen lassen. Ich bat ihn, ins Haus zu gehen und meinen Rollstuhl zu besorgen. Mit was für einer Geschwindigkeit er mich da hinein verfrachtete und dann erst recht mit Vollgas ins Haus. Musste er aufs Klo oder was? Da fühlte ich mich schon fast schlecht, als ich ihn noch bitten musste, mich am Rollator kurz noch bis ins Wohnzimmer aufs Sofa zu begleiten.
Dort bin ich wieder eingeschlafen.
Sebastian geht soeben in die Badewanne und ich könnte es nutzen, jetzt endlich zu duschen. Die letzten 4 Male mich jedes Mal angepinkelt. Muss unbedingt die Hose wechseln und mir die Pisse vom Arsch wischenum bei Markus bevorzugtem Terminus zu bleiben. Die Hose jedes Mal feucht unter meinen Pobacken. Wie appetitlich und was bin ich nur für ein widerwärtiges Drecksschwein! Also ich könnte jetzt unter die Dusche, unter Beobachtung, aber würde ich bereits die Stützstrümpfe ausziehen, mein Körper würde es selbst in einem Zeitfenster von zwei Stunden schaffen, beide Füße wie Schweinshaxen auseinandergehen zu lassen. Also erst einmal meinen verbalen Erguss korrigieren und hastig speichern, bevor die letzten 3 Seiten wie zuletzt verloren gehen, ich den nächsten Nervenzusammenbruch bekomme und minutenlang weine wie ein kleines Kind. Ich hatte auch darüber nachgedacht, ob vielleicht das kleine Kind in mir die Hand zurückgezogen hat.
Meine Stimme gibt den Geist auf. Mein Blutzucker hält sich hingegen noch tapfer, obwohl seit geraumer Zeit eine Birne vor mir liegt und darauf wartet, ihren letzten Weg anzutreten. Wo wir schon (und hoffentlich beim letzten Kapiteln-man merkt das Kortison-ich kann ja gar nicht mehr aufhören zu reden) beim Essen wären. Sebastian kochte uns Ratatouille und dazu gab es Gnocchi. Wie oft ich in letzter Zeit zu hören oder zu lesen bekommen habe, dass mich dies oder das mehr essen lassen könnte und so zur Gewichtszunahme führt. Und wie ich mich eingeschränkt habe heute! Satt? Nach ein bisschen Gemüse in Tomatensauce und 6 Stück Kartoffelteigbällchen? Zum Nachtisch gönnte ich mir dann doch noch 2 Löffel vom Knuspermüsli, das seit geraumer Zeit 30 % weniger Zucker beinhalten soll. Als Sebastian nach Jennersdorf fuhr, um beim Hausarzt die Rezepte für Lyrica und eben dieses andere Medikament, dessen Namen ich nicht kenne, zu holen, bat ich ihn, mir Bonbons mitzubringen. Besser, als mich mit so vielen Keksen vollzustopfen, die ich anschließend nur auskotzen würde. Bis zur Apotheke hat er es dann nicht geschafft, es war Markttag und die Ständchen soeben beim Abbau, man kam einfach nirgends durch. Also noch einen weiteren Tag mit Neurontin und morgen, ja morgen werde ich meine Tablettendose nicht wie heute zuhause lassen!
19:09
Einen hab ich noch! Ich sagte zur Schwester, als sie meine Händeverbrühte, dass ich mir am Vortag gewünscht hätte, sie hätten mich da behalten und sie darauf, dass sie mich am liebsten heute einweisen würde.Heute wäre schlecht, gestern hatte ich meine Unterhosen mit., scherzte ich noch. Darauf sie:Hätten wir auch gestern gemacht, aber wir haben zu wenig Betten.. Unter dieser Voraussetzung hätte ich sicher 5 Tage durchgezogen, aber nicht so. Jetzt ist Schluss. Raus aus meinen angepinkelten Klamotten und unter die Dusche
 
Nur noch die letzte Info (falls das überhaupt noch irgend jemanden interessiert, nach all der Scheiße, die ich bis jetzt von mir gegeben-nicht nur auf den heutigen Eintrag bezogen): Die neue Tagebuchseite ist noch nicht aktiv, aber anmelden könne man sich bereits, teilte mir Sebastian zuvor mit. Es wäre dabei vielleicht ganz sinnvoll, den Nickname von blog.de zu benutzen
 
http://seelenrot.ougenpeyn.de
 
26. November 2015, Donnerstag 15:36
Und Trommelwirbel: 53,9 um 10 vor 7. Ich bin total benommen und weggetreten. Es war ein Segen, mich nach dem Mittagessen hinzulegen, obwohl es eine Ewigkeit gedauert hat, bis ich endlich eindösen durfte. Jetzt möchte ich natürlich gleich weiterschlafen, aber dann bekomme ich nachts erst recht Probleme. Die Tabletten mir neben die Seite gelegt, doch gebraucht habe ich sie nicht. Ich fühlte mich, als würde ich eine Psychose bekommen. Ich konnte Sebastian nicht mehr normal (zumindest das, was ich als normal erachte) wahrnehmen, die ganze Situation schien mir über den Kopf zu wachsen, dabei konnte ich nicht benennen, was mich denn jetzt so aus der Fassung brachte. Ein wenig Müdigkeit half mir dabei, diese Krise vorerst zu überwinden. Das Mittagessen alleine erschien mir so seltsam, dass es dem ganzen durchaus zusätzlich Sprengstoff lieferte. Ich habe nicht viel gegessen, schmeckte auch nach gar nichts und mir immer noch unklar, wie man da Fressattacken bekommen soll. Ebenso beim Abendessen der Becher Joghurt. Für gewöhnlich ist das meine Abendportion (die Hälfte vom Inhalt), doch davon schaffte ich auch nur die Hälfte. Schmeckte nach nicht. Und mir wurde schlecht beim Essen. Heute gab es vegetarisches Käse Fondue, mit Brokkoli, Kirschtomaten, Gnocchi (den restlichen von gestern) und 2 Scheiben Kräuterbaguette… Das Programm tut gerade so, als ob es jedes 3. Wort zum 1. Mal hören würde. Die Nerven dafür fehlen mir wohl völlig. Dabei hatte ich abends ein richtiges Hoch und konnte zum 1. Mal seit meiner Überdosis alleine am Waschbecken stehend meine Haare waschen, sogar das Extraprogramm mit dem Spezialshampoo. Meine Kopfhaut sah fürchterlich aus und ich musste irgendetwas dagegen unternehmen.
Der Schlaf war unruhig, obwohl die Gewissheit, den Wecker und dessen Alarm nicht kontrollieren zu müssen, ein wenig Ruhe verschaffen konnte. Er stand zuerst auf und ich blieb noch eine halbe Stunde liegen, in der ich natürlich nicht mehr schlafen durfte. Mir selbst verboten, auf die Uhr zu sehen. Irgendwann nach 2 wurde die Missempfindung in den Beinen so penetrant, dass ich mich schon heute ins Tagebuch schreiben sah: „Nein, auch die neuen Tabletten wirkungslos. Ich habe verloren.“. Aber kein Krampf, zum Glück KEIN Krampf!
Die Hinfahrt mit Wolfgang war äußerst amüsant, wir alberten herum wie Schulkinder. Ich schrieb es der Tatsache zu, in meiner Kindheit zu viel die Glotze konsumiert zu haben. Die Rückfahrt wurde aufgeheizter, es gab eine hitzige Diskussion zum Thema Flüchtlingskrise. Wolfgang spulte alles ab, was man an Worthülsen in den letzten Monaten vor allem von rechtslastigen Seiten aufschnappen konnte: Der Islam gehört einfach nicht zu Österreich! Dann sollen sie ihren Islam eben zuhause ausleben! Die wollen uns ihren Islam aufzwingen! 80 % von denen kommen doch nur, um das System auszunutzen! Warum sind das nur Männer? Wir sind vor dem Krieg auch nicht weggerannt! Usw.…
Mir wurde erst recht schlecht. Ganz abgesehen davon, dass er sich vormittags eine Wurstschnitte vergönnt hatte und es bereits bei der Hinfahrt im Auto unangenehm roch. Nun ja. Wir sind friedlich „auseinandergegangen“.
Im Krankenhaus die Schwester der letzten Tage freundlicher. Als das Theater mit meinen Venen in die nächste Runde ging und diverse Patienten vor der offenen Untersuchungszimmertür standen und ganz neugierig zu uns herein schauten (und GANZ SICHER meinen entblößten, zerkratzten Arm eingängig begutachtet haben), stand sie auf, ging zur Tür, vertröstete dass „interessierte Volk“, sie mögen noch kurz Geduld haben, sich setzen und schloss die Tür. Es genügten die beiden weiteren Patienten mit im Raum. Heute bekam ich den tollen Loungesessel, der immer ein bisschen an Star Trek erinnert. Die Infusion krachte in exakt einer Stunde in mich hinein und es pochte unangenehm bis schmerzhaft in meinem Handrücken. Mein ganzer Körper ist dafür einfach nicht mehr gemacht. Aber Wolfgang hatte mir gesagt, er müsse spätestens um 13 Uhr zurück in Jennersdorf sein, um eine weitere Patientin ebenfalls nach Graz zu fahren und das setzte mich unter Druck. Zur unumgänglicheren Schwester, die ich auch die Tage davor sehr gut leiden konnte, sagte ich ganz zaghaft: „Wenn ich jetzt nur 3 Einheiten mache… Kommt es häufiger vor, dass andere Patienten nach derselben Menge nach 2 Wochen wieder hier sitzen?“. Dies konnte sie bestätigen. Beruhigte mich, beruhigte mich aber auch wieder nicht. Also überließ ich die Entscheidung den Umständen und Wolfgang rief Helmut an, um diesen zu fragen, wann er morgen mit mir fahren würde: „7:30.“, sagte er mir und ich zu den Schwestern: „Na denn, bis morgen.“. Bereits nach dem Essen hätte ich mich dafür ohrfeigen können. Aber das war vorauszusehen. Also 2 Tage noch und nur ein Morgen mit Ausschlafen am Wochenende. Dabei ist mir dieses mittlerweile so heilig.
Wie unrund ich heute wohl noch werden muss? Ich war eigentlich der Meinung, meiner Hand wäre es heute Morgen besser gegangen. Jetzt ist alles erneut Brei. Mein Unterleib wollte sich bereits nach meinem kurzen Schläfchen wieder anpinkeln. Und wir einen hübschen Schwenk zu gestern Abend hergestellt hätten. HEILIGE SCHEISSE!! Meine Hose war in der Tat klatschnass! Die Nadelreizmatte stank nach Urin! Ich ging in die Dusche und hätte am liebsten geweint. Sebastian versuchte mich aufzubauen. Doch ich hatte mein Urteil gefällt: „Ich bin das Letzte! Du kannst dich ja nur noch vor mir widern!“. Trotz allem gab es jetzt eine Entwässerungstablette und ich müsste genau darauf achten, vorzeitig die Blase zu entleeren.
Eine Schale Tee, aus der Firma 2 Berichte, die ich jetzt gleich korrigieren werde. Hoffentlich ohne allzu viele Fehler. Ich kann gerade nicht beschreiben, wie ich mich in meinem Körper fühle. Mein Herz rast dezent, ein unangenehmes Kribbeln zieht durch beide Beine und lässt keinen Zweifel daran übrig, dass da noch mehr ginge. Nachts schlucke ich definitiv dieses Praxiten 15mg. Das scheint sich laut Beipackzettel super mit meinen Opiaten zu vertragen… HAHAHA.
Letztes kleines Detail: Um 6:06 draußen ein Streufahrzeug und nicht ganz eine Stunde später im Badezimmer beim Füttern der Goldfische fiel mein Blick nach draußen und alles war hübsch angezuckert. Tja, willkommen in der panonischen Tiefebene! Denn bereits nach meiner Rückkehr kurz nach 12 alles weg und Wolfgang faselte irgendetwas davon, es im Gefühl zu haben, dass es zu Weihnachten viel zu warm werden könnte. Und ich, dass ich mich dann ganz sicher „bei ihm melden werde“…
Nur wie mache ich das jetzt? Ich kann nicht einmal richtig sehen… Aber es sind ja nur 2 Berichte.
16:35
Das kann es doch einfach nicht sein! Nichts! NICHTS habe ich bis jetzt gemacht!! Stattdessen? Mich mit einer neuen nassen Hose herum geschlagen. Zuvor beim 1. Gang auf den Leibstuhl ging natürlich etwas daneben, aber in die Binde und als ich alles wieder hochzog, fühlte es sich trocken an… Aber weit gefehlt! Als ich mich wieder in den Rollstuhl setzte, habe ich die Einlage mit meinem Gewicht ausgequetscht und sich mein Urin formschön in meinen Klamotten verteilt. Es reicht! Es reicht jetzt! Die letzte Einlage, die ich noch zum Probieren vom Bandagisten bekommen habe, in eine neue Unterhose gelegt, ausgebreitet… wie ein Müllsack so groß. Und ohne Klebefläche-damit werde ich viel Freude haben! Mein Hintern scheinbar doch zu klein oder ich brauche größere Omaunterhosen.
17:20
Das ist keine Inkontinenzeinlage, das ist eine Matratze, stellte ich soeben fest. Mich regelrecht daran aufheizen, was Wolfgang heute sagte, als er erneut wiederholte, wann Helmut morgen kommen solle: „Er kommt um halb 8. Du kannst ja mal zwischendurch raus schauen, vielleicht ist er ja schon um Viertel da.“. Darauf ich regelrecht giftig: „Insofern brauchst du dir ÜBERHAUPT keine Sorgen zu machen! Der arme Helmut steht da nicht verloren und wartet bis um Halb, er betätigt mit Sicherheit die Glocke vorzeitig!“. Man müsste jetzt nur wissen, wo man sie ausschalten kann. Ein Zettel auf den Schalter kleben: „DEFEKT!!“? Er drückt ja trotzdem drauf und das macht mich bereits jetzt so dermaßen aggressiv und nervös… was kommt unterm Strich bei raus? Ich steh wieder um 6 auf? Wegen…? Ja, ich müsste dankbar sein, unendlich dankbar sein… aber in meiner jetzigen Situation kann ich das einfach nicht! Ich kann wirklich nur inständig hoffen, dass er Samstag nicht einen auf Stressfaktor macht. Wenn die Herrschaften den Betrieb für die ambulanten Patienten auf Station ohnehin erst irgendwann lange nach 9 aufnehmen.
Vor mir auf dem Teller noch ein Stück Orange und eine Birne. Damit ich wie gestern und vorgestern wach liege und eigentlich aufs Klo müsste und so hoffentlich eine cortisontypische Verstopfung umgehen zu können. Natürlich habe ich nicht viel getrunken heute Nachmittag, aber mich verängstigt doch sehr, dass trotz 40 mg Furosemid nicht sonderlich viel aus mir raus zu kommen scheint. 3 Hübe Tramal. Eigentlich hätte ich auch pausieren können, um zu sehen, ob ich schon abhängig bin. Aber dann wäre ich noch unruhiger und könnte mich noch weniger bewegen. Außerdem ist mir kalt geworden, mir mein Geburtstagsgeschenk um den Hals geschwungen. Lange werde ich es dort nicht aushalten. Heiß, kalt, heiß, kalt und draußen Flugzeug, Flugzeug, Flugzeug, bis ich den Eindruck gewinne, in einem Krisengebiet zu leben, die Unruhe nimmt tendenziell noch ein bisschen mehr zu und ich habe jetzt schon Angst vor der Nacht. Am liebsten würde ich die 100 mg Pregabalin bereits jetzt einnehmen… aber wie soll ich dann eben die bevorstehende Nacht überstehen?
Sebastian ist noch einmal kurz nach Jennersdorf, zur Apotheke, eventuell noch zum Bandagisten und dann zum Supermarkt, für mich neues Roggenbrot kaufen. Mit der Aussicht auf ein verfrühtes Bimmeln werde ich mir das Frühstück morgen sparen dürfen und mir einfach eine Stulle schmieren. Und ihm dann das Auto voll krümmeln. Ist das gehässig?
Ein weiterer Klassiker: Gestern beim Konsumieren eines meiner Videos habe ich geweint. Heute wäre das wohl unvorstellbar, obwohl ich aktuell noch in einem Verteidigungsmodus für meine letzten Krümel unterwegs zu sein scheine.
Die Birne essen… scheint mir viel zu viel und trotzdem weiß ich ganz genau, dass ich den Kanten vom Brot unbedingt auch noch essen werde müssen. Solange er noch knusprig ist, sonst wäre es Verschwendung. Und morgen werde ich mich mit großer Wahrscheinlichkeit hassen dürfen. Um wieder zum alten Programm zurückzukehren.
Sebastian den Rest der Birne übrig gelassen… ich kann nicht mehr. Und das ist gut so.
Außerdem habe ich große Angst davor, den Pinsel wieder in die Hand zu nehmen. Meine Suizidgedanken sind…
18:17
Ich weiß überhaupt nicht, was ich jetzt mit mir anstellen soll! Ob ich mich verletzen müsste, um auf der Ambulanz noch einmal glanzvoll Abschied zu feiern. Sebastian kehrt zurück mit einem riesigen Karton voll mit Inkontinenzeinlagen. Mein Halbjahresvorrat. Oder Viertel, er weiß es nicht so genau. Ich rotiere innerlich und er fragt noch ganz liebevoll, ob er überhaupt hochgehen und lernen soll, oder lieber bei mir bleiben… „Das ist ganz lieb von dir, aber es würde mir nicht weiterhelfen.“. Die Glotze ist keine Option. Das Sofa ist keine Option. Hier zu sitzen ist keine Option!! Um einmal kurz zu verdeutlichen, in was für einer Zwickmühle ich mich soeben befinde. Wenn das mal keine Psychose ist. Vielleicht gibt es die Psychopharmaka doch früher.
Ein dumpfer Ton wandert vom linken zum rechten Ohr. Die Blase meldet Wünsche an.
18:59
Jetzt geht erst recht nichts mehr und mich erfasst eine kochende Woge, die mir den Schweiß ins Gesicht treibt. Stand abschließend kurz vor dem offenen Küchenfenster und japste nach Luft. Erst hatte ich mir doch den Heizstrahler geholt und ihn mir neben dem Tisch auf den Hocker platziert. Doch dann schnurstracks weiter in die Küche, das Geschirr in die Maschine geräumt. Ich wäre morgen nur erst recht Amok gelaufen, hätte der ganze Stapel noch da gestanden. Und alles dreckig und unordentlich.
Jetzt sehe ich doppelt und bin immer noch nicht ruhig. Der Brotkanten und die Packung Hummus griffbereit, mein Blutzucker treibt mir Blässe und Übelkeit ins Gesicht. Die Schwester sagte heute zur Begrüßung: „Na da sieht man das Kortison ja schon…“. Darauf ich entsetzt: „Schon SO aufgeschwemmt?“. „Davon habe ich nichts gesagt.“, sie in meinen Ohren schnippisch. Ich wagte einen vorsichtigen Blick in den Spiegel über dem Waschbecken: knallrot war ich. Sie altklug: „Damit das Gesicht aufschwemmt, muss man 2 Wochen Kortison bekommen.“. Ich schüttelte wieder nur einmal den Kopf… sie muss es ja wissen, meine Erfahrungswerte erzählen da etwas anderes und es genügen 3 Tage.
Ein beißendes Brennen der linken Wade und das Diktierprogramm macht erneut nicht, was ich von ihm will. Ein weiteres meiner Videos anwerfen und sehen, wie ich darauf reagiere? Zusätzlich jetzt das Praxiten? Bin ich dann nachts wirklich völlig aufgeschmissen und vermag es mich jetzt überhaupt zu beruhigen? Oder erst einmal ein Aspro gegen die Kopfschmerzen? Und etwas essen…
Als hätte die fette Sau zuvor nicht genug Obst in sich hineingeschaufelt!!
19:21
An meine Kunstseite hängen geblieben, der linke Arm mit dem Stück Brot in der Hand hängt schlaff auf dem Schoß, die Augen beim Anblick von „Doppelmord“ geflutet, laut weinend, durch die Kopfhörer die sphärischen Klänge von „Host of seraphim“. Würde es jetzt einen Unterschied machen, in den Arm genommen zu werden oder mich einfach wieder nur zu verletzen, aus diesem Leben, das ich nicht will, für einen kurzen Moment heraus schneiden?
20:44
Schauen und weinen und weinen... Ich bin doch gar nicht so scheiße… oder doch?
Patt... patt... patt... leise Tränen klatschen auf die Tischdecke. Jetzt wäre es ein Leichtes, das hier endlich endgültig zu beenden und ich kann gar nicht beschreiben, mit welchem Frieden mich dieser Gedanke bis in die kleinste Pore durchdringt. Aber ich darf nicht. Warum darf ich nicht? Weil ich nicht zurechnungsfähig in diesem Augenblick wäre? Und das soll schon alles entscheiden?…
Nach Fassung ringen. Als ich ihm heute beim Mittagessen von der Situation mit der Schwester erzählt habe und mir gleichzeitig den Tupfer von der linken Armbeuge riss… von jener Sache, dass sie die Tür geschlossen hat, sah er auf meinen zerkratzten Unterarm und fragte mich, ob ich mir da etwas drauf gemalt hätte. Sah aus wie ein „NO“, oberhalb der Wunden. Doch erst jetzt wird mir bewusst, was das ist. Nicht wie er vermutete, die „nächste Sache“, eine Blutvergiftung oder Ähnliches. Nein, es sind blaue Flecken, weil ich mir doch zuletzt selbst auf den Arm eingeschlagen habe.
Noch ist er oben. Noch könnte ich es wagen und die Schwester legt ohnehin nur Wert darauf, meine Hände heiß zu baden…
6 Mal das Skalpell und der Letzte hätte wie der Erste sein müssen...Ja, ich bin doch schlecht.
27. November 2015, Freitag 13:08
54,2 um 6:35. Er stand nicht um Viertel vor der Tür, zum Glück. So war ich nicht erneut so dermaßen aufgerieben. Der erste Kommentar der Schwester: „Das sieht aber heute schon wieder richtig gut aus mit der Handkoordination.“. Ach ja? Fragte ich dann auch sie. „Natürlich, kein Vergleich“. Stattdessen ging der Rest daneben, wortwörtlich. Stich um Stich für die Katz. Insgesamt 4 Stück und der letzte saß dann zum Glück so gut, dass es wenigstens mal nicht weh tat. Auch beim Suchen zuvor krempelte sie meinen linken Ärmel hoch, runzelte die Stirn (ich hatte aber einen sauberen Verband übergestreift und bin eigentlich nicht davon ausgegangen, dass sie davon ausgeht, dass sich darunter etwas Neues verbergen könnte), dann stand sie auf, sagte: „So geht das nicht…“, und zog den Vorhang vor. Ist das Respekt? Den ich allzu oft nicht erhalten habe? Wenn man mich zum Beispiel in Oberwart im langen Warteflur mit nach oben gekrempelten Ärmeln und an mehreren Stellen verklebt und mit Infusionsbesteck vertaut hin drapiert hatte und ALLE, ausnahmslos ALLE konnten den Psycho bewundern, wie bei einer Freakshow. Und zu diesem Zeitpunkt beide Arme von oben bis unten massakriert… Tja, selber schuld. Was erwarte ich mir da? Bis sich eine der Schwestern erbarmte und mit Tüchern kam, um meine Arme einzuwickeln…
In die Küche schlurfen, die Gemüsesuppe ist fertig. Bei der Heimfahrt kämpfte sich mir bereits wieder der Mageninhalt die Speiseröhre empor und zuhause gab es zuerst eine Tablette gegen Übelkeit und ein paar Krümel Knuspermüsli. Sebastian musste weg, am liebsten wäre er sofort gefahren, aber ich bat ihn noch, die Suppe anzusetzen und das Gemüse kleinzuschneiden. Wie kann man in diesem Zustand nur Fressattacken bekommen?
Auch ist mir schleierhaft, was das Programm bis dato geschrieben hat. Ich sehe nicht viel, so ich das nicht bereits diktiert habe. Mein Herz macht soeben gefühlt 3 Purzelbäume, mein Schädel dröhnt. Aber immerhin eine Entwässerungstablette geschluckt… das Wichtigste! Der Aperitif!
14:08
Was stelle ich jetzt nur mit mir an? Geht es mir nach den paar Löffel Suppe besser? Meine Magennerven flattern merklich und ich frage mich, wann ich meinen Test durchziehen will… soll… überhaupt kann. Noch eines meiner Videos zum Essen, jenes vom Selbstmordversuch. Ich hasse die letzten beiden Teile, weil ich so fett bin, so unförmig und am Schluss auch noch so dämlich grinse und Witze reiße, als wäre das ALLES nur ein alberner Spaß gewesen… VERDAMMT! Ich wollte sterben! Was hätte die Ärztin heute wohl gesagt, hätte ich ihr meinen gestrigen Abend etwas detaillierter erläutert? Mich zwangseingewiesen? Ich will nicht vor mir selbst beschützt werden. Ich war schon immer mein größter Feind und werde im Kampf mit ihm zu Grunde gehen.
In den Nachrichten auf diesem schrecklichen Schlagersender wie schon die Tage zuvor wieder eine neue Nachricht von einem vergewaltigten Mädchen. 2 Männer hätten sie verfolgt, der eine sie schlussendlich festgehalten und der andere sich an dem 14-jährigen Ding vergangen und ich konnte es fühlen, mir wurde ganz anders, eklig und wieder fühlte ich mich neben meinem Taxifahrer mehr als unwohl. Wie schon vor 2 Jahren beschrieben dieses Phänomen, als bestünde jederzeit die Gefahr, er könne mir an die Wäsche gehen. Ich kapiere es einfach nicht und es ist einfach nur widerwärtig! Ich hielt es nicht aus, dass zwischen meinen beiden Oberschenkel nur ein klitzekleiner Spalt offen war und ich aus eigener Muskelkraft meine Beine nicht fest zusammen pressen konnte. Dazwischen kotzen hätte ich können! Soll das normal sein? Getriggert durch diese Nachrichten? Weil ich eben in den 2 Jahren Psychoanalyse nur in derartigen Fahrwassern unterwegs war, mich wunderbar hineinsteigern hatte können? Die ganze Rückfahrt hindurch starrte ich durch diese Lücke zwischen meinen Oberschenkeln und fühlte bereits die Hand dazwischen… mir wird schlecht. Ist es einfach Antipathie? Aber warum dann gleich so drastische Bilder im Kopf? Eben auch von der Psychoanalyse in diese Richtung gestoßen?
Was weiß ich denn schon…
Die Ärztin war heute wieder da. Ganz kurz kam sie in den Untersuchungsraum gerauscht um mich zu fragen, wie es mit denn gehen würde. Ich erzählte von der halben Psychose und sie ganz bestürzt: „Dann sollte ich Ihnen doch eigentlich gar kein Kortison mehr geben.“. Ich erzählte auch noch ganz kurz, dass mir Sebastian wie ein wildfremder Mensch erschienen war und darauf sie: „Solange er nicht George Clooney wird?“. Alle lachten und ich fügte noch hinzu, dass zum Erreichen dieses Ziel leider zu viel Bauch im Weg wäre. Dann sagte sie, ich würde ihr heute sehr viel besser gefallen: „Sie haben eine viel bessere Farbe. Als ich Sie am Dienstag das 1. Mal kennen lernen durfte, waren Sie aschgrau im Gesicht, ich habe mich regelrecht erschrocken!“. „Das ist aber meine Standardfarbe.“, und hätte noch gerne gesagt, dass Zombies nun einmal so aussehen würden. „Aber ich weiß ja, dass frischer auszusehen nicht bedeutet, sich gut zu fühlen.“. Was für eine emphatische Ärztin. Da ich kurzzeitig nur einen Butterfly sehr fragil in einer Vene stecken hatte, wurde das Dronabinol lediglich in 250 ml Kochsalzlösung aufgelöst und beschleunigte den Prozess ungemein… auch wenn dieser Zugang in die Binsen ging. Als wir gingen, kamen sie noch einmal von hinten und streichelte mir über die Schultern, um mir alles Gute zu wünschen. „Vielleicht sieht man sich ja in 2 Wochen noch einmal…“, sagte ich zaghaft und sie, dass sie das doch hoffen will.
Alles gesagt? Mich hinlegen? Versuchen zu malen? Zerrissen bin ich. Habe aber extra eine volle Dosis Tramal vor dem Mittagessen eingeworfen. Aber wie erstaunlich… gestern brachten mich meine Bilder zum Weinen und als ich heute das Haus wieder betrat, fand ich alles scheiße und wertlos! Es gibt keine stabile Selbstwahrnehmung, Eigenansicht, dessen, was ich darstelle, was ich bin und was ich produziere.
Anstatt aufs Sofa, zurück an den Tisch und die fette Sau gönnt sich ein 2. Bonbon. Sie hat es ja nötig. Brauche etwas Süßes. Irgendetwas, das ich schmecken kann. Aber irgendetwas scheint mich regelrecht daran zu hindern, den Pinsel in die Hand zu nehmen, es zu versuchen. Waschen und umziehen müsste ich mich ebenfalls unbedingt. Das nächste Symptom kündigt sich an, ich fange meines Erachtens nach an zu stinken; der von mir viel zitierte ominöse „Küchenschweiß“-als hätte man einen Tag in einer Kantine gestanden.
Für einen Augenblick die Augen schließen… Heizstrahler aus, ich halte den Lärm nicht aus und jener von Computer und Kühlschränken belastend genug… ganz zu schweigen von diesem kranken Flugverkehr.
Malen… malen… malen… oder doch besser schlafen, zumindest eine Stunde. Das Lhermite nimmt immer drastischere Züge an. Einmal in einer ungünstigen Position mit dem Kopf nicken und ein schmerzhafter Stromschlag schießt schnurstracks durchs linke Bein hindurch, dieses sackt in sich zusammen und ich erschrecke fürchterlich. Wie heute schon mehrmals da gewesen. Aber das hier führt mich nirgendwo hin… ich muss irgendetwas tun, mich endlich entscheiden oder wie so oft an dieser Unentschiedenheit zerbrechen… Na Hallo?! Blutverdünnungsspritze und 2 Aspro intus! Da geht was und ich wünschte, ich wäre immer noch allein.
Draußen wird es erneut dunkel. Ich hätte nicht einmal die Glotze zur Unterstützung bei einem Schlafversuch heranziehen können, hätte es nicht ausgehalten. Was nun?
Wie oft werde ich mir diese Frage in den nächsten Minuten stellen? Musik an, Vorlagenfoto auf und dann wenigstens antesten? Oder eine weitere Schale Tee, selbstverliebt ein weiteres meiner Videos, um zur Zufriedenheit aller in Selbstmitleid zu zerfließen.
Das rechte Handgelenk bekommt allmählich seine ursprüngliche Form zurück. Da war einiges unter die Haut geflossen, was durchaus zu pochenden Schmerzen geführt hatte.
Oder noch etwas Tramal? Eine von den Beruhigungstabletten? Mir selbst irgendwie helfen?
Heiß, kalt, heiß, kalt und draußen kommt Wind auf. Die Restaurants leer. Zumindest das Angebot betreffend, die Gäste wollen es noch nicht so ganz wahrhaben. Sebastian meinte, da läge noch genug und deswegen hätte er noch nicht nachgefüllt.
Meine Beine fühlen sich beschissen an. Einfach alles diktieren, was mir soeben in den Sinn kommt. Mich am Leben halten. Dazwischen einen Blick unter Ärmel und Verband werfen. Der ganze Unterarm schmerzt, ihn auch gestern vermöbelt, womit ich sicherlich nicht hinterm Berg gehalten habe. Es sollte bluten, bluten, durch den Verband bluten, die Innenseite vom Hemd benetzen, zumindest ein bisschen und das ist mir gelungen. Ich bin krank, ohne Frage. Krank und gestört.. Und werde jetzt einfach so weitermachen. Tee oder Farbe oder schlafen? Eine weitere Schale erscheint mir wie eine Belohnung und warum sollte mir eine solche überhaupt zustehen? Da kommt mir eine zündende Idee: Ins Badezimmer fahren und meinen Kopf kurz unter kaltes Wasser halten…
15:32
Nun doch eine Schale mit Schwarztee. Das Räucherstäbchen scheint diesen infernalischen Gestank nach Kohl vom Brokkoli nur noch zu verstärken. Mit Multivitaminshampoo meine abartige Visage gewaschen. Die Steroidakne auf dem Vormarsch und in den nächsten Tagen kann man dann nicht mehr sagen, man lässt die Finger davon, so man es wagt, unter Menschen zu gehen. Die rechte Hand klimpert unaufhörlich, ohne Unterlass, immer bis 4 oder eine dämliche Melodie. Draußen dunkler und dunkler. Wenn der Schnee wenigstens noch läge. Dabei soll es die nächsten Tage wieder warm werden und mir dreht sich der Magen erst recht um bei diesen Wetterprognosen. Die Kopfschmerzen nehmen erneut zu und mein Magen kocht vermeintlich über. Ich will nicht wissen, wie viele Fehler ich bis dato dank verstärkter Fehlsichtigkeit übersehen habe. Aber fleißig eiskaltes Wasser in mich hineinschütten, das zum Glück nicht mehr so bitter schmeckt wie noch vor zwei Stunden. Schon wieder schmiert das Programm ab. Hitze, Kälte, Hitze, Kälte und noch mehr Fehler vom Programm. Mich schön daran aufheizen, als hätte mir gerade das noch gefehlt! Als hätte diese Drecksau zugehört, als Sebastian zuvor in einem Forum nachgelesen hat, dass das Programm grundsätzlich mit allen Standardprogramm nur mangelhaft und fehlerhaft zusammenarbeiten kann, als hätte es nie andere Zeiten gegeben, als hätten sich meine Stimme und meine Aussprache jetzt so dermaßen drastisch verändert, dass ich eigentlich ein neues Profil anlegen müsste.
Apropos: Morgen fährt wieder Wolfgang.
Ganz plötzlich eine „adrette Schreiattacke meinerseits“, als Martha, dieses vermaledeite Mistvieh, aufs neue Vogelrestaurant springt… NEIN! Die Vögel haben für mich höchste Priorität!! Und der Hass gegen die Katzen wird nur noch größer!
Jetzt eben auch noch verstärktes Herzrasen und ich diktiere einfach nur noch Mist, für den ich mich jetzt schon hassen muss!
Vom Wasser wird mir schlechter und noch schlechter und der Tee sollte nach 20 min ausreichend gezogen haben. Also ein Video und meine Selbstachtung wieder so weit verlieren, um vielleicht heute doch noch ein bisschen an mir herum zu „basteln“…
Ein weiteres Paspertin und die nächsten Tage definitiv keines von den blauen Räucherstäbchen… Warum kotzt du dann nicht endlich, du beschissener Körper?! Ah... vielleicht bedarf es erst meine abartigen Visage… Video anschmeißen… und erleichtert aufatmen, als das Räucherstäbchen den letzten Atemzug tut...
16:29
Augenblicklich wünschte ich nur, ich käme an eines der Fenster heran oder die Terrassentür, ohne damit einer Katze gleichzeitig Zugang zum Haus zu gewähren. Für ein paar Atemzüge an die frische Luft. Mir wird immer schwindliger, die Augen kacken wieder ab, der Körper stark geschwächt…
Warum hast du dich nicht hingelegt?! Warum nur? Um das Standardprogramm abziehen zu können. Mein Zustand verschärft sich. Cortison, was für eine Höllendroge! Und die Aufnahmen vom letzten Winter erzeugten bei mir nur Beklemmung und Ablehnung meinerseits.
17:13
Der Stimme fehlt die Luft, die Übelkeit schnürt mir die Kehle zu, der Magen vollführt einen gordischen Knoten und prompt fange ich an aufzustoßen. Mich anpinkeln, ordnungsgemäß, und mich nicht mehr bewegen können. Abgesehen von der Unfähigkeit, mich selbst auszuhalten. Irgendetwas scheint nun passieren zu müssen. Lediglich 3 Hübe ins Glas. Bereits ohne diese Umdrehungen dreht sich vor meinen Augen alles und ich fange an mir zu wünschen, dass ich endlich explodiere und Geschichte werde.
Aus dem Kühlschrank eine Birne-auf dass sie Linderung verschaffe. Heizstrahler an, aus, an, aus, ich werde verrückt! Das Klimpern meiner Rechten auf dem linken Unterarm wird immer rascher… der Spannungsgipfel scheint erreicht! Beruhigungstabletten oder Klingen? Wie lange bleibt er noch oben? Bei diesem Oberteil wäre es kein Verbrechen, das Schlachtfeld hastig unter dem Ärmel verschwinden zu lassen. Die Birne schmeckt nach nichts und draußen ein Flugzeug nach dem anderen. Ich gehe alsbald an die Decke!
In meiner Tasche kramen und mich fragen, wie ich die nächsten düsteren Monate überleben soll?
Mir wird schlechter und schlechter und noch schlechter und noch schlechter und ich habe unglaublich Lust, mir den Finger in den Hals zu stecken.
Den Stromfresser aus, um ihn von oben runter kommen hören zu können, und alles bereit legen. Die Fantasie von Müdigkeit scheint nur ein hässlicher Abklatsch von etwas, das man wohl Ruhe schimpfen könnte. Dann ist der Test heute eben, ob die Hand funktioniert, ein mit Klinge durchgeführter...Bleib schön oben!
20 Schnitte. Ich hätte mich hinlegen sollen. Die hell graue Hose hat Spuren abbekommen. Mit Spucke aushelfen. Auch die linke Hand ist voll damit und ich weiß nicht woher-das Kabel vom Headset?
Mich sortieren und zurücklegen. Besser? Erleichtert? In mir drinnen springt eine Version von mir wie ein erregter Schimpanse auf und ab und auf und ab und auf und ab und auf und ab…An, aus, an, aus, zu heiß, zu kalt, zu heiß, zu kalt… einmal schwer seufzen. Warum bringt mich keiner um? Warum bringt mich das hier nicht um?
Kurz die Augen schließen und mir der soeben stattgefundenen Grenzüberschreitung bewusst werden. Kein Rausch, er bleibt aus. Alles kotzt mich an! Aber ich habe immer noch diverse Substanzen für den Notfall… und so werden es eben jetzt schon 15 mg Praxiten. So Körper! Das hast du davon!
18:22
Mehr als angespannt auf eine Wirkung warten, auf eine Erlösung. Wäre mir nicht so schlecht, hätte ich längst eine Fressattacke angeleiert und anschließend gekotzt. Um auf diese Weise Zeit tot zu schlagen. Stattdessen nur hier sitzen und warten, während mir warm und wieder kalt und wieder warm und wieder kalt wird, das Kribbeln in den Beinen immer stärker zunimmt, ich mir Gedanken darüber mache, was ich überhaupt zum Abendessen essen darf. Bitte, bitte, bitte!! Lass diese fürchterlichen Tage schnell erledigt sein! Erlöse mich!
Am Ende… und schön langsam gebe ich die Hoffnung auf, dass das neue Tagebuch wie erneut angekündigt an diesem Wochenende endlich abgeschlossen sein wird.

28. November 2015, Samstag 15:18

55 standen da von gestern noch pro forma. Viel besser wurde es nicht: 54,6 um 6:30, weil der Stoffwechsel heute Morgen mal nicht mehr mitspielen wollte.

Jetzt gibt es Darmschmeichler und im Hinterkopf allerhand Ingredienzien, die mir zur Erleichterung meiner kritischen Situation helfen würden. Draußen geht die Sonne unter und ich sehe mich mit Dido in den Ohren am Fluss entlang laufen. Wie so oft. So unzählige Male. Ich möchte weinen, lass es aber nicht zu. Wie schon nicht im Taxi. Wie auch im Krankenhaus nicht. Alles reißt an mir. Überstanden… was für eine infame Lüge! NICHTS ist überstanden!

Sebastian gebeten, sein Fußballspiel mit Kopfhörern zu hören und mir die Möglichkeit sowie den Raum zu gewähren, den Druck auf meinem Herzen etwas ablassen zu können.

Wolfgang ging mir so dermaßen auf den Senkel, die ganze Rückfahrt hinweg. Er kann nichts dafür, es ist alles meine Schuld. Aber seine klugen Sprüche hätte er sich wahrlich sparen können, wenn er mir so Sachen sagt wie: „Aber so ist Cortison eben!“. Und einmal: „Was willst DU mir von Cortison erzählen?!“, und mehrmals: „Bitte, lass es, lass es einfach sein.“. Klipp und klar äußerte ich meinen Lebensüberdruss. Erst dem jungen Turnusarzt gegenüber, der mindestens eine halbe Stunde versuchte, eine Leitung zu legen. Zumindest erzählte ich vom angebohrten Schienbein und der Notärztin. Erst als er nachfragte, warum dies notwendig gewesen wäre: „Ich habe versucht, mich umzubringen.“. Wie oft er mich gestochen hat? Er ließ sich sehr viel Zeit, eine gewisse Verunsicherung war meiner Meinung nach durchaus auszumachen. Stunde um Stunde, die Uhr an der Wand tickte bedrohlich laut. Er verschwand und eine halbe Stunde später kam ein anderer Kollege, ein „ausgewachsenes Arztmodell“. Er entschuldigte sich kurz und drückte sich ein ganzes Snickers in den Mund. Dieser trug nicht einmal mehr Handschuhe und hatte keine Berührungsängste mit meinem Blut. Ein kurzer Blick unter den Strumpf: „Ahh, kenne ich. War erst vor 4 Wochen in der Psychiatrie zum Dienst.“. Darauf ich: „Hier auf der Neurologie sieht man das wohl nicht so häufig, und wenn dann hauptsächlich von jungen Mädels…“. Darauf fragte er mich, wie alt ich denn sei. Ich musste ernsthaft überlegen, hätte beinahe 34 gesagt. „35.“. Darauf er: „Also bitte, ein junges Mädel.“. Letztendlich verbrachten wir über 1 Stunde zusammen. Ich hab 0 Dunst, wie oft er mich gestochen hat. Zehnmal mindestens. Ihm blieb mein selbstkritisches Verhalten nicht verborgen und bevor er ging meinte er noch: „Das haben Sie nicht nötig, Sie sind eine sehr sympathische Person.“. Ich schüttelte zwar den Kopf, aber bedankte mich. Zu einem Ergebnis kamen wir erst, als er meinen Vorschlag gewähren ließ und ich mir die Hände wie die Tage zuvor in 2 gekochte Krebse verwandelte. Die Wunden rissen auf und bluteten. Jeder Einstich, jeder Schnitt. Für die selbstverschuldete Blutsuppe entschuldigte ich mich, aber er störte sich nicht weiter daran, stach noch einmal zu und traf. Vermeintlich. Vor mir lag nun eine 45 min dauernde Tortur. Beim Gehen hielt er in der Tür noch einmal an und sagte zu mir: „Ich weiß, das sagt sich alles so leicht. Aber keiner steckt in Ihrer Situation… ich wünsche Ihnen alles Liebe.“. Hatte ihm doch auch vom Laufen erzählt. Weil er ganz kurz davor gemeint hatte, dass ich mit dem Rollator doch noch wunderbar unterwegs sei. „Seit 98 bin ich gelaufen, aber jetzt hat mein Dachschaden beschlossen, dass ein schubförmiger Verlauf langweilig ist, dass wir etwas Besseres brauchen, uns weiter entwickeln müssen.“. Vom Malen redete ich gar nicht erst. Aber meinem Lebensüberdruss machte ich weiters insofern Ausdruck, als ich ihm beim Hantieren in meinen Blutspuren zusah: „Gestern habe ich erst gehört, dass die Aidsrate immens angestiegen ist.“. Darauf er: „Ich habe keine Defekte auf der Haut… oder haben Sie etwas, von dem ich wissen müsste?“. „Außer einem gewaltigen Dachschaden nichts… aber bekäme ich jetzt noch Aids, würde vielleicht etwas anderes das hinbekommen, wozu ich selbst zu blöd war.“.

Was war ich froh… kann man von Erleichterung sprechen? Alles schmerzte, jeder mickrige Einstich und erst recht der Venflon und die Infusion. Was ist es, was da so Amok läuft? Die Nerven so überstrapaziert, die Venen so überstrapaziert?! Ich dachte ernsthaft, ich springe schreiend aus dem Fenster. Ich dachte wirklich, ich packe das nicht mehr, es muss abgebrochen werden, dann machte ich mich am Infusionsregler zu schaffen und drehte schneller… die Kotze stieg mir mit jedem einzelnen Schmerzimpuls die Speiseröhre empor… „Anderen geht es schlechter! Andere haben noch viel schlimmere Sachen! Andere haben das auch schon durchgestanden! Andere jammern nicht so viel rum wie du!!“… RAUS!! ALLE SAMT RAUS AUS MEINEM KOPF!!

Die Rückfahrt und Wolfgangs Happyhippowelt. Angestrengt versucht, zu schlafen und ihn nicht mehr hören zu müssen und kaum hatte sich die Taxitür geschlossen und Sebastian kam mir entgegen, sprudelte alles aus mir heraus: „Ich kann das einfach nicht mehr… ich will nur noch sterben… es tut mir so leid, dass ich dir das so sagen muss, aber ich will einfach nicht mehr…“. „Bitte… hör auf damit…“, und: „Bitte… sag so etwas nicht…“.

Strukturloser Kauderwelsch. Ein kleiner Gedanke am Rande? Ich dachte heute sogar daran, dass ich das dieser bezaubernden Ärztin nicht antun könnte/dürfte. Die anderen, immer die anderen und jetzt hängen die Tränen auf der Nasenspitze und in Gedanken laufe ich immer noch.

Auf dem Bildschirm vermag ich kaum etwas zu erkennen. Sebastian hatte mir gleich nach der Rückkehr die Suppe von gestern heiß gemacht. Nichts schmeckt und doch hätte ich noch mehr fressen können. Aus purem Frust. Mich nach einem Teller am Knuspermüsli vergangen. Ein bisschen zumindest. Vergeblich versucht zu schlafen. Dann noch ein paar Löffel Müsli. Bei der Ankunft im Krankenhaus Wolfgang zum Automaten gejagt und er hat mir Coca-Cola gebracht, mit Zucker… ist es undankbar? Ich wollte doch irgendetwas ohne! Kurz vor Verlassen des Krankenhauses ihn erneut zum Automaten geschickt, um mir ein Ballisto auszudrücken. Stopfte gierig eine halbe Banane und einen halben Schokoriegel in mich hinein, wovon mir noch schlechter wurde. Auch jetzt der Süßstoff im Tee ist so widerwärtig. Ich habe Kopfschmerzen, bin in mir drinnen völlig aufgerieben, müsste innerlich bluten… und schlecht. Ein Hoch auf die Blutverdünnungsspritzen! Die gestrigen Schnitte sehen kapital aus. Mein ganzer Körper ist zerschunden und wie erst mein rechter Oberarm aussieht nach dem Klosturz mittwochs um 6. Das müsste ich alles filmen, alles ins neue Video packen… eben eine weitere Freakshow!

16:05

Eigentlich wollte ich den Kopf hinaus auf die Terrasse stecken, abkühlen. Stattdessen einen neuen Kübel voll mit Vogelfutter vorbereitet. Dass die Katzen jetzt draußen um den Eimer herumschleichen reibt mich extra auf.

Er geht kurz hinaus und ich sage kurz, was ich denke: Ich will das hier beenden. Ich will das hier nicht mehr. Will nicht ständig hinaus sehen müssen und dort eine immer blasser werdende Erinnerung der Läuferin, die ich war, sehen müssen. Ich will mit dieser Erinnerung, farbig und lebendig und voll mit frischem Wind um die Ohren endlich einschlafen!…

Ganz zart zeichnet sich ein Abendrot am Himmel ab. Mich gleich weiter verletzen? Nachts noch ins Waschbecken geblutet, 52 Schnitte. Erwähnt? Keine Ahnung? 72 Gesamt. Die letzten Schnitte erinnern verdammt an die Zeiten, als ich noch täglich Lovenox injizieren durfte. Schön unterlaufen, dunkelblau, dunkellila… vermag es nicht anders zu beschreiben. Ihm bereits angekündigt: „Wenn das so werden sollte wie gestern Abend, schlucke ich Mirtel und knipse mir das Licht aus.“. Dagegen hätte er nichts einzuwenden,

In mir dreht sich alles und ich sehe immer noch nichts auf dem Bildschirm. Meine Korrektur soeben vermutlich hinfällig. Nichts fühlt sich mehr richtig, mehr normal an! Nicht das Essen, Trinken, Schmecken, Pinkeln, Sitzen… als sei meine gesamte Existenz ihrer Wurzeln beraubt. Und dann sagt Wolfgang, das das gut so sein würde. Und ich schüttelte nur den Kopf und dachte einfach: „Halt die Klappe.“. Was soll an einer Psychose gut sein? Bauernkind. So simpel gestrickt.

17:57

Immer noch vermeintlich ruhig hier sitzen und tief in mir drinnen doch wieder nur auf die Barrikaden gehen. Ich halte nichts aus. Gar nichts. Meine Alternativen? Die Stunden eingeben?

18:49

Mieke hat mir wahrlich keinen Gefallen damit getan, die Stunden pro forma einzutragen. Wieder dieses Wort. Egal. Mein Herz rast mir bis zum Hals, als würde es mir die Augäpfel hervor treiben. Es reicht wahrlich. Eine von den Beruhigungstabletten geschluckt wird gerade befürchte ich sogar, alsbald eine Fressattacke zu bekommen. Aufs Sofa und nur noch hoffen, dass ich so schnell als möglich einschlafen kann. Sonst renne ich wirklich noch wie angedroht mit dem Kopf gegen die Wand…